Das erste Satteln

Beim ersten Satteln gehe ich wie in unserem Positiv-Beispiel beschrieben vor. Hat das Pferd akzeptiert überall mit dem Pad berührt zu werden, lege ich Pad und Sattel auf den Rücken des Pferdes. Ich achte beim Sattelgurtanziehen darauf, dass der Gurt beim Einatmen des Pferdes ruhig liegt und beim Ausatmen angezogen wird. Das Anziehen wird logischerweise nicht "auf einmal" vollzogen, sondern "Stück für Stück". Lärm wird beim ersten Aufsatteln nicht vermieden, um das Pferd von Anfang an an unerwartete und laute Geräusche zu gewöhnen. Das Pferd ist nun gesattelt und muss lernen, dass sich etwas über ihm befindet (Reiter). Viele Jungpferde sind bis zum ersten Aufsitzen sehr brav und fangen erst dann zu Bocken an. Der Grund ist folgender: Die Augen eines Pferdes sind seitlich am Kopf, es sieht auf dem linken Auge etwas anderes als auf dem rechten. Vom Boden aus kann ein Pferd sehr gut auseinanderhalten von welcher Seite ich mich ihm nähere, wenn ich aber auf ihm sitze, ist das sehr bedrohlich für das Pferd, da es mich nicht mehr eindeutig erkennen kann! Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass das Jungpferd versucht, den Reiter durch Kopfdrehen nach links und rechts auf einem Auge einzuordnen. Dies gelingt ihm nicht. Diese für das Pferd sehr beängstigende Situation führt häufig dazu, dass es losläuft und anfängt zu bocken. Viele Reiter tragen dann oft dazu bei, diese Situation eskalieren zu lassen (Ziehen am Führstrick, Klammern mit den Beinen, lautes Rufen etc.).
Solche Situationen können durch entsprechende Vorarbeit vermieden werden: An dieser Stelle kommt mein Ponyhorse wieder zum Einsatz. Durch mein Ponyhorse bin ich in der Lage, nahe an das Jungpferd heranzureiten, es von oben zu berühren und auf beiden Augen gleichzeitig zu arbeiten. Ebenso kann ich von meinem Ponyhorse aus dem Jungpferd beibringen, dem Schenkel zu weichen. Ich reite nahe an das Pferd heran und stupse es, erst vorsichtig, dann stärker werdend mit der Seite meines Fußes in die Seite, bis es einen Schritt weicht. Der kleinste Versuch dem Schenkel zu weichen muss durch Aufhören der Hilfe belohnt werden. SO WENIG WIE MÖGLICH SO VIEL WIE NÖTIG! Wenn ich kein Ponyhorse zur Verfügung habe, um mein Jungpferd an den"Menschen von oben" zu gewöhnen, behelfe ich mir mit einem Zaun, auf den ich mich setze und es mir so möglich ist, von oben über das Pferd zu fassen. Das Jungpferd hat nun gelernt, den"Menschen von oben" zu akzeptieren. Jetzt gehen wir einen Schritt weiter: